Kommunale Wärmeplanung in Deutschland

Auswertung abgeschlossener Wärmepläne im Projekt »KOMpare«

Autoren

Marc Stobbea, Dr. Henrike Groegerb, Dr. Veit Bürgera, Dr. Christoph Kostb, Dr. Jessica Thomsenb

a: Öko-Institut e.V., Freiburg

b: Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, Freiburg


Auftraggeber

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) im Rahmen des Forschungsprojekts »KOMpare«, Förderkennzeichen: 03EI1094A, 03EI1094B, 03EI1094C

 

Herausgeber

Öko-Institut e.V., Freiburg |  August 2026 (aktualisierte Version)

 

Mit dem Wärmeplanungsgesetz (WPG) sind rund 11.000 Kommunen verpflichtet, bis spätestens Ende Juni 2028 eine kommunale Wärmeplanung vorzulegen. Diese Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE und des Öko-Instituts wertet nun erstmals vorliegende kommunale Wärmepläne aus dem ganzen Bundesgebiet aus.

Die aktuelle Auswertung des Fraunhofer ISE und des Öko-Instituts bestätigt auf Basis von rund 380 ausgewerteten Wärmeplänen für etwa 940 Kommunen zentrale Trends der kommunalen Wärmewende. Die Planungen zeigen einen weitgehenden Ausstieg aus Erdgas und Heizöl bis 2045. Künftig werden vor allem Wärmepumpen und Wärmenetze die Wärmeversorgung tragen. Gleichzeitig macht die Studie deutlich, dass innerhalb der Planerstellung der Kommunen bei Sanierungsannahmen, Biomasseeinsatz und der Berücksichtigung industrieller Prozesswärme weiterhin erheblicher Verbesserungsbedarf besteht.

Studienergebnisse / Key Takeaways

  • Wärmepumpen und Wärmenetze werden die dominierenden Versorgungslösungen
    Die ausgewerteten Kommunen planen, bis 2045 rund 42 Prozent ihrer Wärmeversorgung durch Wärmepumpen und weitere 37 Prozent durch Wärmenetze bereitzustellen. Damit decken beide Technologien zusammen nahezu vier Fünftel des zukünftigen Wärmebedarfs ab.
  • Kommunen setzen auf unterschiedliche Transformationspfade
    Während kleinere und mittlere Kommunen vor allem auf dezentrale Wärmepumpen setzen, spielen Wärmenetze insbesondere in größeren und dichter besiedelten Städten eine zentrale Rolle. Die Studie zeigt gleichzeitig, dass lokale Wärmequellen, bestehende Infrastrukturen und Siedlungsstrukturen die jeweils geeigneten Lösungen bestimmen.
  • Wärmenetze werden stark ausgebaut, ihre zukünftige Wärmeerzeugung bleibt jedoch oft unklar
    Bereits heute verfügen 71 Prozent der untersuchten Kommunen über mindestens ein Wärmenetz. Bis 2035 soll dieser Anteil auf 95 Prozent steigen. Allerdings machen mehr als die Hälfte der Wärmepläne keine konkreten Angaben dazu, wie die Wärme künftig in diesen Netzen erzeugt werden soll. Dort, wo Angaben vorliegen, dominieren Kombinationen aus Wärmepumpen und biogenen Energieträgern.
  • Ambitionierte Sanierungsannahmen beeinflussen die Infrastrukturplanung
    Über alle untersuchten Wärmepläne hinweg wird bis 2045 ein Rückgang des Wärmeenergiebedarfs um rund 32 Prozent angenommen. Zwei Drittel der Kommunen kalkulieren dabei mit Sanierungsraten, die deutlich über den historischen Werten liegen. Die Studie empfiehlt daher mehr Transparenz bei den zugrunde liegenden Annahmen und die Berücksichtigung alternativer Entwicklungspfade.
  • Biomassepotenziale werden teilweise überschätzt
    In 63 Prozent der untersuchten Kommunen übersteigt der für 2045 geplante Biomasseverbrauch die jeweils ausgewiesenen lokalen Potenziale. Insgesamt liegt der geplante Verbrauch der ausgewerteten Kommunen fast 40 Prozent über den verfügbaren Potenzialen. Dies kann künftig zu Nutzungskonkurrenzen führen und unterstreicht den Bedarf an einheitlichen Definitionen und Kriterien für Biomassepotenziale.
  • Industrielle Prozesswärme wird bislang unzureichend berücksichtigt
    Obwohl Industrie, Gewerbe, Handel und Dienstleistungen in den betrachteten Kommunen durchschnittlich rund 27 Prozent des Wärmebedarfs ausmachen, unterscheiden viele Wärmepläne nicht zwischen Raumwärme, Warmwasser und Prozesswärme. Dadurch bleiben wichtige Fragen zu Temperaturanforderungen, Versorgungsoptionen und dem künftigen Wasserstoffbedarf offen.


Ausblick

Die Studie zeigt, dass die kommunalen Wärmepläne bereits eine klare Richtung vorgeben: Wärmepumpen und Wärmenetze bilden die Grundlage der zukünftigen Wärmeversorgung. Um die Planungen jedoch belastbarer und besser vergleichbar zu machen, sind transparentere Sanierungsannahmen, einheitliche Kriterien für Biomasse sowie eine stärkere Berücksichtigung industrieller Prozesswärme erforderlich. Zudem wird Wasserstoff nach derzeitigem Stand überwiegend als ergänzende Lösung für industrielle Anwendungen und Spitzenlasten gesehen, während er für die dezentrale Gebäudebeheizung nur eine untergeordnete Rolle spielt.

Weitere Informationen zu diesem Thema

Presseinformation | 05.08.2026

Breitere Datenbasis für Kommunale Wärmepläne bestätigt zentrale Trends: Wärmepumpen und Wärmenetze bilden das Rückgrat der Wärmewende

Presseinformation | 03.03.2026

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Forschungsprojekt

KOMpare

Kommunale Wärmeplanung in Deutschland transparent und vergleichbar gestalten

 

Studie

Wege zu einem klimaneutralen Energiesystem – Bundesländer im Transformationsprozess

 

Forschungsthema

Energiesystemanalyse

 

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