News #6

Neuer dena-Praxisleitfaden: Wärmepumpenlösungen für Mehrfamilienhäuser

In Einfamilienhäusern und im Neubau sind Wärmepumpen mittlerweile die dominierende Heiztechnologie. In Mehrfamilienhäusern und in älteren Gebäuden ist ihr Einsatz anspruchsvoller, dabei liegt hier ein enormes Potenzial. Ein neuer Leitfaden der Deutschen Energie-Agentur (dena) präsentiert Erfahrungen zum Einsatz von Wärmepumpen in Mehrfamilienhäusern im Bestand und gibt konkrete Handlungsempfehlungen für die Umsetzung.

Der Leitfaden entstand im dena-Projekt »Gebäudeforum klimaneutral« in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Wärmepumpe, dem Gesamtverband der deutschen Wohnungswirtschaft sowie dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE als eine Maßnahme aus der Wärmepumpen-Offensive der Bundesregierung. Die Publikation wendet sich an Fachleute insbesondere aus den Bereichen Planung und Wohnungswirtschaft.

»Aus technischer Sicht spricht viel für den Einsatz von Wärmepumpen auch in Bestandsgebäuden«, so Peter Engelmann, Mitautor und Leiter der Gruppe Gebäudesystemtechnik am Fraunhofer ISE. »Wärmepumpen können etwa mit Bestandsheizkörpern sehr gut arbeiten, die Quellerschließung von Umweltwärme ist häufig problemlos möglich.«

Wärmepumpenprojekte in Mehrfamilienhäusern bringen im Gegensatz zu kleineren Wohngebäuden besondere Herausforderungen mit sich, z. B. bei Ersatz von dezentralen Systemen wie Gasetagenheizungen oder Einzelöfen. Auch die Trinkwassererwärmung ist in größeren Gebäuden ein Thema, da die Trinkwasserhygiene bei zentralen Systemen typischerweise über hohe Systemtemperaturen sichergestellt wird. Hier kommen zunehmend Wärmepumpen auf den Markt, die auch hohe Temperaturen (70°C) zur Verfügung stellen Das Fraunhofer ISE forscht zusammen mit Wärmepumpen-Herstellern an Lösungen für diese Herausforderung.

Der Praxisleitfaden »Wärmepumpen in Mehrfamilienhäusern stellt Systemvarianten für verschiedene Bedingungen zusammen, etwa bivalente Systeme (die Kopplung der Wärmepumpe mit weiteren Wärmeerzeugern), dezentrale Wärmepumpen oder netzgebundene Quartierslösungen. Vielfältige Lösungsvarianten mit verschiedenen Wärmequellen aus Luft, Erdreich (auch in Kombination), Wasser und solarer Einstrahlung sind auch in Gebäuden mit geringer Dämmung und ohne Fußbodenheizung möglich. Das Fraunhofer ISE kann hier auf eine Vielzahl von Systemsimulationen und Rechenwerkzeugen, aber auch auf Ergebnisse von bereits umgesetzten Lösungen für Bestands-MFH (www.lowex-bestand.de)und im Feld vermessenen Demonstrationsgebäuden (www.wp-monitoring.de) zurückgreifen. Ausschlaggebend für den effizienten Betrieb und geringe Betriebskosten ist die Absenkung der Heiztemperaturen. Im Bedarfsfall können Wärmepumpen auch mit Spitzenlast- oder Hochtemperatur-Wärmeerzeugern (Gaskessel, BHKW) ergänzt werden. In den untersuchten Mehrfamilienhaus-Projekten war auch die Mieterschaft mit der Umstellung der Heiztechnologie zufrieden. Wichtig dafür war eine frühzeitige Einbindung und umfassende Informationen. 

 

Veranstaltungshinweis:

Webinar »Wärmepumpen in Mehrfamilienhäusern. Status quo. Möglichkeiten. Erfahrungen«, 11. April 2024, 10:00- 12:00 Uhr, via Zoom

Im Webinar werden die wesentlichen Inhalte des Praxis-Leitfadens vorgestellt: Ein Überblick über die Einsatzmöglichkeiten von Wärmepumpensystemen in Mehrfamilienhäusern im Bestand mit dem Fokus auf technische Lösungen und Versorgungskonzepte. Referierende von dena, Fraunhofer ISE und Verbänden geben Hinweise und Unterstützung für zukünftige Projekte hinsichtlich Konzeption, Planung und Betrieb der Anlagen.

Die Veranstaltung richtet sich insbesondere an die strategischen und technischen Abteilungen der Wohnungsunternehmen sowie weitere Eigentümer von Mehrfamilienhäusern oder Wohnungseigentümergemeinschaften und Akteure aus den Bereichen der Beratung, Planung und Umsetzung der Prozesse zur Dekarbonisierung der Wärmeversorgung.

Anmeldung unter: https://www.gebaeudeforum.de/

© Fraunhofer ISE
Wärmepumpen sind auch für Mehrfamilienhäuser geeignet, wie hier in einem Demonstrationsobjekt in Karlsruhe-Durlach.

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