Deutsche Stromexporte erlösten im Saldo Rekordwert von über 2 Milliarden Euro

23.2.2016

Deutschland hat im Jahr 2015 einen Außenhandelsbilanzüberschuss von 2,07 Mrd. Euro beim Stromexport erzielt. Dieser Wert liegt deutlich über dem alten Rekordwert von 1,94 Mrd. Euro aus dem Jahr 2013. Eine genauere Analyse der Daten zeigt, dass der ins Ausland exportierte Strom im Durchschnitt die gleichen Marktpreise erzielt wie der nach Deutschland importierte Strom. »Die These, Deutschland würde überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energien ins Ausland verschenken, lässt sich anhand der Zahlen nicht bestätigen«, folgert Prof. Bruno Burger vom Fraunhofer ISE, der die Daten des Statistischen Bundesamts ausgewertet hat.

© Foto Fraunhofer ISE

Abb. 1: Deutsche Außenhandelsbilanz für Strom im Jahr 2015. Den Ausgaben in Höhe von 1504 Mio. Euro standen Einnahmen von 3573 Mio. Euro gegenüber. Im Saldo ergeben sich Einnahmen in Höhe von 2069 Mio. Euro. Positive Werte in der Grafik bedeuten Einnahmen, negative Werte bedeuten Ausgaben.

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Abb. 2: Deutsche Außenhandelsbilanz für Strom im Jahr 2015. Den Einfuhren in Höhe von 35,6 TWh standen Ausfuhren von 84,8 TWh gegenüber. Im Saldo ergibt sich ein Ausfuhrüberschuss von 49,2 TWh. Positive Werte in der Grafik bedeuten Einfuhren, negative Werte bedeuten Ausfuhren.

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Abb. 3: Entwicklung der deutschen Außenhandelsbilanz für Strom seit 2006. 2015 wurde ein neuer Rekord mit einem Außenhandelsüberschuss von 2069 Mio. Euro erreicht. Positive Werte in der Grafik bedeuten Einnahmen, negative Werte bedeuten Ausgaben.

Auf www.energy-charts.de haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Solar Energiesysteme ISE die Daten zum deutschen Außenhandel von Strom grafisch aufbereitet. Es zeigt sich, dass Deutschland durch den Export von Strom in den letzten 10 Jahren Einnahmen von über 13 Milliarden Euro erzielt hat. Der Stromexportüberschuss lag 2015 bei ca. 50 TWh, was ebenfalls einen
neuen Rekord darstellt. Während 8074 von 8760 Stunden bzw. 92% der Zeit des Jahres waren die Exporte höher als die Importe. Die durchschnittlich exportierte Leistung lag bei 5,7 GW, was der Leistung von vier Kernkraftwerken entspricht. Die höchsten Exporte flossen in die Niederlande, die den Strom teilweise auch nach Belgien und Großbritannien weiterleiten. Auf Platz zwei liegt die Schweiz, die den Strom fast vollständig nach Italien durchleitet. Die höchsten Importe kommen aus Frankreich. Hier dient Deutschland aber hauptsächlich als Transitland, das den Strom an andere Länder weiterleitet.

Der Trend hoher Stromexporte hält auch vor dem Hintergrund des schrittweisen Ausstiegs aus der Kernenergie weiter an, weil die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien schnell gewachsen ist. »Aufgrund der gestiegenen Produktion aus erneuerbaren Energien können wir es uns leisten, schneller aus der klimaschädlichen Braunkohle auszusteigen und schon dieses Jahr erste Kraftwerksblöcke stillzulegen«, stellt Burger fest. Die großen Zuwächse bei der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien kommen hauptsächlich aus dem Bereich der Windenergie. An Land konnte die Produktion um ca. 20 TWh gesteigert werden. Auf See waren es ca. 7 TWh. Der Ausbau der Solarenergie ist im Jahr 2015 stark eingebrochen und erreicht nur die Hälfte des von der Bundesregierung definierten Zubau-Korridors. »Hier sollte dringend gehandelt werden, denn der optimale Mix zwischen Solar- und Windenergie liegt bei einem Verhältnis von 1:1 bei der installierten Leistung. Der Ausbau der Photovoltaik liegt inzwischen aber um 4 GW bzw. 10% unter dem der Windenergie«, so Bruno Burger. Simulationen zeigen, dass bei gleicher installierter Leistung der Speicherbedarf und die jahreszeitlichen Schwankungen bei der Erzeugung am geringsten sind.

 

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