Gegendarstellung zur Studie »Kohlemotoren, Windmotoren und Dieselmotoren: Was zeigt die CO2-Bilanz?«

8.5.2019

Im ifo Schnelldienst vom 25. April 2019 wurde unter der Rubrik Forschungsergebnisse die Studie »Kohlemotoren, Windmotoren und Dieselmotoren: Was zeigt die CO2-Bilanz?«von Christoph Buchal, Hans-Dieter Karl und Hans-Werner Sinn vorgestellt. In der Studie werden Daten aus den Fraunhofer ISE Energy Charts verwendet und zum Teil grob falsch ausgelegt. Wir bitten daher um Kenntnisnahme der folgenden Gegendarstellung.

Gegendarstellung des Fraunhofer ISE zur Studie

„Kohlemotoren, Windmotoren und Dieselmotoren: Was zeigt die CO2-Bilanz?“

von Christoph Buchal, Hans-Dieter Karl und Hans-Werner Sinn vom 25. April 2019

 

Zitat aus der Studie:

…In der Presse wurde in letzter Zeit des Öfteren ein deutlich höherer Grünstromanteil von bis zu 40% der Nettostromproduktion genannt (vgl. z.B. Hecking 2019)…

Stellungnahme Fraunhofer ISE:

Die Literaturquelle Hecking 2019 bezieht sich auf einen Artikel bei Spiegel online. Der Artikel des Spiegels wiederum bezieht sich auf die Jahresauswertung des Fraunhofer ISE zur Stromerzeugung in 2018. Sie ist im Internet abrufbar.

 

Zitat aus der Studie:

…In der Presse wurde in letzter Zeit des Öfteren ein deutlich höherer Grünstromanteil von bis zu 40% der Nettostromproduktion genannt (vgl. z.B. Hecking 2019). Bei der Berechnung dieser Zahl wurde die grüne Stromproduktion aber nicht durch die gesamte Stromproduktion, sondern nur durch die Endenergie an der Steckdose geteilt...

Stellungnahme Fraunhofer ISE:

Diese Aussage ist falsch! Die erneuerbare Nettostromerzeugung wird bei der Auswertung des Fraunhofer ISE durch die gesamte Nettostromerzeugung geteilt.

Formel

Das Fraunhofer ISE betrachtet bei der Auswertung nur die öffentliche Nettostromerzeugung, da die industrielle Eigenerzeugung nicht in das öffentliche Netz eingespeist wird und somit auch nicht zum Laden von Elektroautos zur Verfügung steht.

 

Zitat aus der Studie:

…Dieser Wert liegt um die Leitungsverluste, den Eigenverbrauch der Kraftwerke, die Verluste beim Durchfluss durch Pumpspeicherwerke und vor allem um die Nettoexporte in erheblichem Maße unter der Stromproduktion...

Stellungnahme Fraunhofer ISE:

Es gibt zwei prinzipiell Möglichkeiten der Berechnung des Anteils der erneuerbaren Energien: man kann den Anteil an der Erzeugung berechnen oder den Anteil am Verbrauch. Hier geht es um den Anteil an der Erzeugung. Deshalb sind alle Zahlen zum Verbrauch irrelevant. Das Fraunhofer ISE betrachtet bei der Erzeugung nur den Anteil, der tatsächlich in das Netz eingespeist wird. Das ist die Nettostromerzeugung. Der Eigenverbrauch der Kraftwerke wird nicht berücksichtigt, da dieser Anteil nicht in das Netz eingespeist wird, sondern direkt im Kraftwerk verbraucht wird.

 

Zitat aus der Studie:

…Er übertreibt den grünen Stromanteil schon deshalb, weil der Nenner um die Nettoexporte (immerhin 50 TWh) verkürzt wird…

Stellungnahme Fraunhofer ISE:

Diese Aussage ist falsch. Da die gesamte öffentliche Nettostromerzeugung betrachtet wird, sind die Exporte bei den Berechnungen des Fraunhofer ISE natürlich mit enthalten.

 

Zitat aus der Studie:

…Ähnliches gilt für den Strom aus Pumpspeicherkraftwerken, der häufig beim Strom aus erneuerbaren Quellen mit eingerechnet wird, obwohl es damit zu einer Doppelzählung und vielleicht sogar – falls es nicht nur grüner Strom ist, der durchgeschleust wird – zu einer Art »Grünwäsche« von Strom aus fossilen Quellen kommt…

Stellungnahme Fraunhofer ISE:

Pumpspeicherkraftwerke sind keine Stromerzeuger, sondern Stromspeicher. Deshalb werden sie bei den Berechnungen des Fraunhofer ISE natürlich nicht als Stromquellen behandelt und nicht mit eingerechnet.