Stromerzeugung in Deutschland - Erneuerbare Energien erreichten 2015 einen Anteil von rund 35%

11.1.2016

Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE haben Daten zur Stromerzeugung für das vergangene Jahr 2015 zusammengestellt. Demnach speisten Photovoltaikanlagen im Jahr 2015 ca. 37 TWh in das öffentliche Netz ein. Die Produktion hat sich somit gegenüber dem Vorjahr um ca. 2 TWh bzw. 4,8% erhöht.

Die Windenergie produzierte im Jahr 2015 ca. 85 TWh und lag damit fast 50% über der Produktion im Jahr 2014. Die Produktion war im Dezember am höchsten und übertraf erstmals die Produktion aus Braunkohlekraftwerken. Gemeinsam produzierten Solar- und Windenergieanlagen im Jahr 2015 ca. 122 TWh. Sie liegen damit auf dem zweiten Platz hinter der Braunkohle, aber noch vor der Steinkohle und Kernenergie. Aus Biomasse wurden ca. 56 TWh und damit deutlich mehr als im Vorjahr (45 TWh) produziert. Die Wasserkraft produzierte ca. 20 TWh und liegt damit ungefähr auf dem Durchschnitt der vergangenen Jahre.

In Summe produzierten die erneuerbaren Energiequellen Solar, Wind, Wasser und Biomasse im Jahr 2015 ca. 190 TWh. Das sind ca. 30 TWh bzw. ca. 20% mehr als 2014. Sie erreichten einen Anteil von ca. 35% an der öffentlichen Nettostromerzeugung. Der Anteil an der Bruttostromerzeugung einschließlich der Kraftwerke der „Betriebe im verarbeitenden Gewerbe sowie im Bergbau und in der Gewinnung von Steinen und Erden“ liegt bei ca. 32,5%.

Die Nettostromproduktion aus Kernkraftwerken betrug ca. 87 TWh und lag damit 5,1% unter dem Vorjahresniveau von 92 TWh. Braunkohlekraftwerke produzierten ca. 139 TWh netto. Das sind ca. 1,3 TWh bzw. 1% weniger als 2014. Insbesondere bei hoher Windeinspeisung mussten sie ihre Leistung drosseln. Nach wie vor sind Braunkohlekraftwerke aber sehr unflexibel in ihrer Reaktion auf hohe Einspeisung erneuerbarer Energien. Die Nettoproduktion aus Steinkohlekraftwerken betrug 104 TWh. Sie war um 3,8 TWh bzw. 3,5% niedriger als im Jahr 2014, in dem 107,7 TWh netto produziert wurden.
Gaskraftwerke produzierten ca. 30 TWh netto für die öffentliche Stromversorgung. Sie lagen damit um rund 1 TWh bzw. 3,8% unter dem Niveau des Vorjahres. Damit hält der seit 2008 zu verzeichnende permanente Rückgang der Produktion weiter an.

Im Jahr 2015 wurde ein Exportüberschuss von ca. 48 TWh erzielt. Dieser Wert stellt nach den alten Rekordjahren 2012, 2013 und 2014 wieder einen neuen Rekord dar und liegt um ca. 14 TWh bzw. 40% über auf dem Niveau von 2014. Der Großteil der Exporte floss in die Niederlande, die einen Teil auch nach Belgien und Großbritannien weiterleitet. Deutschland importierte Strom aus Frankreich, dient dabei aber hauptsächlich als Transitland, weil der Strom in die Nachbarländer weitergeleitet wird.
Für den Außenhandel mit Strom liegen bisher nur Zahlen von Januar bis einschließlich Oktober 2015 vor. In dieser Zeit wurden 29,7 TWh zu einem Wert von 1,27 Mrd. Euro eingeführt. Die Ausfuhr lag bei 67,4 TWh und einem Wert von 2,88 Mrd. Euro. Im Saldo ergibt sich ein Exportüberschuss von 37,6 TWh und Einnahmen im Wert von 1,6 Mrd. Euro. Eingeführter Strom kostete durchschnittlich 42,58 Euro/MWh und ausgeführter Strom 42,69 Euro/MWh.
Der durchschnittliche Day-Ahead Börsenstrompreis ist auf 31,2 Euro/MWh gefallen und liegt inflationsbereinigt ungefähr auf dem Niveau von 2003. Der durchschnittliche Marktwert lag für die PV bei 96% und für Wind bei 85% des durchschnittlichen Börsenstrompreises.

Die Jahresauswertung berücksichtigt die am 11.01.2016 verfügbaren Monatsdaten das Statistischen Bundesamtes (Destatis) zur Elektrizitätserzeugung und zur Ein- und Ausfuhr von Elektrizität bis einschließlich Oktober 2015. Die Daten für November und Dezember wurden auf Basis von korrigierten Stundenwerten der Leipziger Strombörse EEX hochgerechnet. Die hochgerechneten Werte unterliegen größeren Toleranzen.

Stündlich aktualisierte Daten finden Sie auf den Fraunhofer ISE Energy-Charts:
www.energy-charts.de