APV Obstbau – Agri-Photovoltaik als Resilienzkonzept zur Anpassung an den Klimawandel im Obstbau

Laufzeit: 04/2020 - 03/2025
Auftraggeber / Zuwendungsgeber:
Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL); Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten des Landes Rheinland-Pfalz (MUEEF)
Kooperationspartner: Bio-Obsthof Nachtwey; BayWa r.e. Solar Projects GmbH; Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz (DLR); Elektrizitätswerke Schönau EWS, Vertriebs GmbH; AGCO GmbH
Projektfokus:
Hagelschutznetze im Obstbau
© BayWa r.e.
Hagelschutznetze im Obstbau werden durch eine Agri-PV-Anlage überflüssig.

Der Landwirtschaftssektor steht vor neuen Herausforderungen. Im Zuge des Klimawandels müssen Strategien entwickelt werden, um negative Auswirkungen auf Ernten zu vermeiden. Der Obstbau in Deutschland ist bereits heute von den Folgen des Klimawandels betroffen: starke Sonneneinstrahlung, steigende Temperaturen und immer häufiger eintretende extreme Wetterereignisse wie Hagel und Starkregen. Um Qualitäts- und Ertragseinbußen entgegenzuwirken, werden im Obstanbau bereits vermehrt Hagelschutznetze und Folien eingesetzt.

Im Rahmen des Projektes »APV-Obstbau« soll untersucht werden inwieweit die Agri-PV diese Schutzfunktion im Apfel-Obstbau übernehmen kann, welches Anlagendesign mit dieser Kultur sinnvoll ist und inwieweit sich die PV-Anlage auf die Ernteerträge auswirkt.

 

Ziel des Vorhabens ist es die Resilienz im Obstbau zu steigern sowie zur ressourceneffizienten Landnutzung beizutragen, um Landnutzungskonflikten zwischen Photovoltaik-Freiflächenanlagen und der Landwirtschaft entgegenzutreten.

Eine Agri-PV-Anlage kann im Obstbau herkömmliche Schutzkonstruktionen, wie Hagelschutznetze und Folienüberdachung ersetzen und die Pflanzen und Früchte vor schädlichen Umwelteinflüssen bewahren. Das PV-Anlagendesign wird den Anforderungen der Landwirtschaft in der Vegetationsphase angepasst, damit die landwirtschaftliche Tätigkeit nicht eingeschränkt wird bzw. durch deren Schutzfunktion sogar davon profitieren kann. Ein optimales Ergebnis einer Agri-PV-Obstbauerzeugung zielt hier vorrangig nicht auf eine Maximierung der Ernteerträge ab, sondern auf eine sichere und qualitativ hochwertige Apfelproduktion mit zusätzlicher Solarstromproduktion. Der landwirtschaftliche und der energetische Teil des Systems sind durch weitere Synergien verbunden. So kann die erzeugte elektrische Energie in der Apfelproduktion in den vor- und nachgelagerten Bereichen genutzt werden, beispielsweise durch den Einsatz von elektrifizierten Landmaschinen oder bei der Lagerung der Apfelernte im elektrisch betriebenen Kühlhaus.

Die Grundlage für das Erreichen dieser Ziele bildet die Errichtung einer Forschungsanlage, um die Praxistauglichkeit des erarbeiteten Konzepts unter realen Einsatzbedingungen beurteilen zu können. Ergebnisse des Projektes sollen zeigen, inwieweit ein Obstanbausystem und herkömmliche PV-Anlagetechnik kombinierbar sind. Hierzu wird die Agri-PV-Obstbauanlage insbesondere hinsichtlich des Lichtmanagements, des Anlagendesigns, der Landschaftsästhetik, ihrer Wirtschaftlichkeit, ihrer Sozialverträglichkeit und pflanzenbaulicher Parameter untersucht. Es werden vier Versuchsvarianten herangezogen: (1) Kontrollvariante mit betriebsüblichen Hagelschutznetzen, (2) Agri-PV-Anlage, (3) Agri-PV-Anlage mit reduziertem Pflanzenschutzmitteleinsatz und (4) Folienüberdachung. Der Projektteil zur gesellschaftlichen Akzeptanz und Sozialverträglichkeit beschäftigt sich mit verschiedenen möglichen Konflikten (Landnutzung, Verteilung, Prozessgerechtigkeit) innerhalb verschiedener Akteurskonstellationen. Darüber hinaus werden Bürgerveranstaltungen organisiert, für Obstbauer*innen ein Agri-PV-Obstbau Leitfaden erarbeitet und mit lokalen Entscheider*innen die Chancen geprüft, die Agri-PV-Technologie in den bestehenden Klimaschutzplan zu integrieren.