Startseite Aktuelles Meldungen 2014 Fraunhofer ISE veröffentlicht Kurzstudie zur EEG-Umlage – Umlage könnte 2015 sinken

Meldungen 2014

Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE

EEG-Umlage könnte 2015 sinken

Doch die geplante Reform und Ausnahmen für die Industrie verhindern Entlastung der Verbraucher

Freiburg. – Die Kosten der Energiewende sind ein Dauerthema in Politik und Medien. Häufig wird dabei die Umlage aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) als Indikator für die Bezahlbarkeit des Stroms herangezogen. In einer Kurzstudie hat das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg nun die historische Entwicklung der EEG-Umlage untersucht und errechnet, dass diese bereits 2015 wieder sinken könnte. „Mit 6,24 Cent/kWh in 2014 hat sich die Umlage seit 2009 nahezu verfünffacht, während sich die Vergütungszahlungen mit voraussichtlich 21,26 Milliarden Euro nur etwas mehr als verdoppelt haben“, sagt Prof. Dr. Eicke Weber, Leiter des Fraunhofer ISE, „die eigentliche Förderung der erneuerbaren Energien und der Zuwachs bei der EEG-Umlage liegen damit erkennbar im Missverhältnis.“

„Da für Ende des Jahres mit einem Überschuss von etwa zwei Milliarden Euro auf dem EEG-Konto zu rechnen ist, würde die Umlage ohne die Reform des EEG für 2015 nicht weiter steigen, sondern eher fallen“, hat Prof. Dr. Bruno Burger, Leiter der Gruppe Energiedaten und strategische Entwicklung bei Fraunhofer ISE, errechnet. Doch die geplante Ausweitung der Privilegierung von Unternehmen könnte einen weiteren Anstieg der EEG-Umlage zur Folge haben. „Zwar fallen einige Unternehmen aus dieser Privilegierung heraus, diese bleiben aber über Kostendeckelungen oder Härtefallregelungen weitgehend entlastet“, so Burger, „zugleich sollen 2015 etwa 300 bis 400 neue Unternehmen von der Ausnahmeregelung profitieren.“ Diese Pläne belasten das EEG-Konto mit rund 300 Millionen Euro, im Folgejahr kämen 200 weitere Unternehmen hinzu mit einer zusätzlichen Belastung von 400 Millionen Euro.

Schon jetzt zahlen die Verbraucher mehr als 98 Prozent der EEG-Umlage, während die privilegierten Unternehmen weniger als 2 Prozent beisteuern. „Wird der EEG-Entwurf wie bisher geplant verabschiedet, führt dies zu einer weiteren Entlastung der stromintensiven Industrie und zu einer stärkeren Belastung der Privathaushalte und des Handwerks“, so Burger. Dabei sei eine weitere Schonung der Industrie nicht nötig, denn seit 2011 sind die Börsenstrompreise in Deutschland um etwa 40 Prozent gefallen und damit auf dem Niveau von 2004 angelangt. Damit liegt dieser Preis deutlich unter dem der meisten europäischen Nachbarländer. Energieintensive Betriebe, die im internationalen Wettbewerb stehen, zahlen nur 0,05 Cent EEG-Umlage, profitieren aber von den um 2 Cent/kWh gefallenen Börsenstrompreisen.
In der Studie zeigt das Fraunhofer ISE auch, dass die für die Höhe der EEG-Umlage entscheidende Größe letztlich nicht die Vergütungszahlungen an Anlagenbetreiber sind, sondern die Differenzkosten. „Einfach gesprochen sind das die Vergütungszahlungen abzüglich der Vermarktungserlöse für den erneuerbaren Strom“, so Burger. Gab es hier bis einschließlich 2009 einen kontinuierlichen Anstieg der Vermarktungserlöse, gingen diese nach der Reform des EEG-Wälzungsmechanismus im Jahr 2010 deutlich zurück.

Im derzeitigen System der EEG-Umlage sieht Fraunhofer ISE wesentliche Probleme:

  • Durch die EEG-Novellierung 2010 dürfen die EEG-Strommengen nur noch am Spotmarkt der Leipziger Strombörse (EEX) verkauft werden. Die Preise lagen in den vergangenen Jahren unter denen des Future-Marktes.
  • Durch den Merit-Order-Effekt, der die Verdrängung teuer produzierender Kraftwerke bezeichnet, sinken die Börsenstrompreise und damit die Einnahmen aus dem Verkauf des EEG-Stroms. Seit 2008 hat sich der Börsenstrompreis halbiert.
  • Die Industrieprivilegien führen 2014 zu einer Mehrbelastung der Endverbraucher von 1,35 Cent/kWh.
  • Die Nachholungen zum Ausgleich des EEG-Kontos erhöhen die EEG-Umlage um 0,57 Cent/kWh. Diese Kosten entfallen 2015 höchstwahrscheinlich.
  • Der Aufbau einer Liquiditätsreserve erhöht die EEG-Umlage um 0,51 Cent/kWh. Diese Belastung entfällt, wenn diese Reserve aufgebaut ist.

 

„Die rechnerische EEG-Umlage ohne diese Effekte liegt bei 4,1 Cent/kWh, die tatsächliche bei 6,24 Cent/kWh“, sagt Fraunhofer-ISE-Leiter Weber und bietet Lösungsansätze: „Überkapazitäten im konventionellen Kraftwerkspark sollten abgebaut werden, um die Strompreise zu stabilisieren und ein weiteres Absinken der Spotmarktpreise zu verhindern.“ Zudem solle der Kraftwerkspark flexibler auf niedrigere Börsenstrompreise reagieren. Auch der Handel der EEG-Strommengen müsse nicht verpflichtend am Spotmarkt erfolgen, da dort nur sehr geringe Preise erzielt werden. „Darüber hinaus sollten die CO2-Preise durch eine Reform des Emissionshandels oder die Einführung einer CO2-Steuer deutlich angehoben werden“, fordert Weber, „so würde sich das Preisniveau an der Strombörse stabilisieren und die EEG-Umlage könnte sinken.“